2012-02-02 09:43:44 | Verein

Fritz Dullinger


In 100 Jahren Vereinsgeschichte haben viele Personen den Verein geprägt, manche jedoch etwas mehr. In einem Streifzug durch die FCK-Chronik werden wir an dieser Stelle monatlich in einer Serie jene Personen vorstellen, welche man unumstritten als „große Männer“ des Vereins bezeichnen kann. Teil II: Fritz Dullinger


Der Blitztransfer des Fritz Dullinger

Es war im Monat März 1960, der Acker Sepp aus Bittelschieß berichtete so ganz nebenbei, dass in Bittelschieß „Einer“ zugezogen sei, der in früheren Jahren angeblich aktiv Fußball gespielt habe. Dem Sepp wurde aufgetragen, diesen „Zugezogenen“ zu einem Training einzuladen. Es tat sich nichts. Der Auftrag wurde wiederholt. Dann bei einem Heimspiel entdeckten wir diesen „Fremden“ in Begleitung seines Schwagers Hermann Mauch. Was lag näher, als in einem kurzen, aufgedrungenen Gespräch die mögliche Spielbereitschaft zu erkunden. Der Fritz, auch damals schon äußerst Wortkarg, ließ sich dazu überreden, zum nächsten Training eventuell zu erscheinen. Als Spielertrainer fungierte seinerzeit Klaus Weißhaupt aus Sigmaringen, damals noch in Diensten der Polizei. Der Klaus besaß nicht nur viel Organisationstalent, sondern auch ein besseres Durchsetzungsvermögen.

Am Donnerstag der folgenden Woche kam der „Neue“ tatsächlich mit Sepp Acker zum wöchentlichen Training. Nach den ersten Ballkontakten wusste Klaus sofort, dass ist der Mann für den FC Krauchenwies. Das Training war vorbei und der Countdown begann zu laufen. Für den Trainer war es klar, der „Neue“ musste beim wichtigen sonntäglichen Lokalkampf gegen Sigmaringendorf unbedingt eingesetzt werden. Also wurden zu später Stunde die Formalitäten vorbereitet, damit bereits am nächsten Tage beim Württembergischen Fußballverband ein Spielantrag gestellt werden konnte. Da der Postweg zu unsicher erschien, organisierte der Klaus einen Kurierdienst nach Stuttgart. Noch fehlte jedoch das wichtigste Detail für einen Spielerpaß, das Passbild. Zu mitternächtlicher Stunde fuhr man gemeinsam nach Bittelschieß in die Wohnung des „Neuen“, suchte verzweifelt nach einem passenden Bild, nichts fand sich. Als man schon zu resignieren begann, brachte plötzlich Frau Dullinger einen abgelaufenen Personalausweis daher. Die Situation war gerettet.

Am Freitagfrüh fuhr dann der Schriftführer mit dem blauen VW der Firma Lutz (SIG-P-858) erwartungsvoll in Richtung Stuttgart. Ortskenntnisse waren nicht vorhanden. Zwar gab es in den Jahren 1956 und 1959 sportliche Kontakte mit dem dortigen SV Prag Stuttgart, doch der erste Stuttgart-Trip war im Jahr 1956 mit der Bundesbahn gemacht worden. Den Kontakten zu diesem Stuttgarter Verein sollte auch in dieser Mission noch eine Bedeutung zukommen. Mit einem Lotsen an Bord gab es dann überhaupt keine Probleme. Die WFV-Geschäftsstelle zu finden. Mit viel Herz- klopfen wurde die Passstelle betreten. Begrüßung durch die damalige Sekretärin, Fräulein Scheib- le, war alles andere als freundlich. Als man dann die Dringlichkeit des Anliegens zu untermauern versuchte und Fräulein Scheible darum bat, den Paß noch am Vormittag fertig zu stellen, legt sie mit einem Wortschall los: „Was glauben sie eigentlich, ...wir würden darauf warten, dass der FC Krauchenwies uns mit Paßangelegenheiten beehrt...kommt gar nicht in Frage...sie müssen sich genauso gedulden wie andere Vereine!“ Plötzlich trat aus dem Nebenbüro ein Herr in die Paßstelle ein. Zum größten Erstaunen von Fräulein Scheible begrüßte er mich namentlich und fragte nach dem Grund meines Besuches. Was ich nicht wusste, er war der Leiter der Passstelle. Herr Adolf Reinhard, seines Zeichens internationaler Schiedsrichter der ersten 50er Jahre und Spielausschuß des SV Prag Stuttgart, kannte mich und den FC Krauchenwies von seinem Besuch in Krauchenwies. Plötzlich war nichts mehr unmöglich und innerhalb von 15 Minuten hatte ich einen genehmigten Spielerpaß in den Händen.


Fritz, Zweiter von links neben „Pokalhalter“ Hans Buchberger, in seiner Zeit als Spieler.

Übrigens, der Lokalkampf gegen die Dorfer verloren wir trotz des Einsatzes von Fritz Dullinger mit 1:3. Symptomatisch: Gegenspieler war Kuno Speh, der sich mit Fritz Dullinger in den folgen- den Jahren aufregende Duelle lieferte.

Mit Stolz darf man behaupten, dass sich dieser Einsatz jeder Hinsicht voll gelohnt hat. Aus dem gebürtigen Bajuwaren sollte ein echter Krauchenwieser werden. Ganze 23 Jahre spielte Fritz aktiv in der I. und II. Mannschaft. Kurzfristig war er auch in der Jugendarbeit tätig. Ausklingen ließ er seine Laufbahn in der Seniorenmannschaft. Sonntag für Sonntag, Woche für Woche war er im Verein tätig, wenn er bei den Heimspielen am Seiteneingang des Sportplatzes konsequent die Eintrittsgelder kassierte, oder während der Sommermonate unseren alten Sportplatz gemäht hat, nach Feierabend und ehrenamtlich versteht sich. Idealisten solchen Kalibers gibt es in jedem Verein nur wenige.

Fritz, von seinen Kameraden liebevoll „Kraxelhuber“ oder von den Jungen im Verein auch „Maaule“ genannt, verkörperte Tugenden, wie sie heute leider zu verschwinden scheinen. Es wird berichtet, dass wohl niemand in der nun schon 100 Jahre andauernder Vereinsgeschichte mehr Spiele, sei es im Aktiven- oder Jugendbereich, gesehen hat, als Fritz Dullinger.


In Teil III unserer Serie „große Männer des Vereins“ erzählen wir Euch im Februar die Geschichte vom „Eugenle und den Suppenwürfeln“.